Kündigung in der Probezeit: Der umfassende Leitfaden für Arbeitnehmer und Arbeitgeber

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Die Kündigung in der Probezeit gehört zu den häufigsten Situationen, mit denen sich neue Mitarbeitende und Personalverantwortliche konfrontiert sehen. Ob Sie als Arbeitgeber überlegen, ein junges Talent zu verabschieden, oder als Arbeitnehmer wissen möchten, welche Rechte und Pflichten während der Probezeit gelten – dieser Leitfaden liefert klare, rechtlich fundierte Antworten, praktische Tipps und Musterformulierungen. Im Zentrum steht die Kündigung in der Probezeit als spezieller Abschnitt des Arbeitsrechts, der sich durch kurze Fristen und pragmatische Regeln auszeichnet.

Was bedeutet Kündigung in der Probezeit?

Unter der Kündigung in der Probezeit versteht man die Beendigung eines Arbeitsverhältnisses während der vereinbarten Probezeit. Die Probezeit ist ein Zeitraum im Anfangsstadium des Arbeitsverhältnisses, in dem sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer die Zusammenarbeit intensiver bewerten. In der Regel gilt: Die Kündigungsfristen sind während der Probezeit verkürzt, und es bestehen weniger formale Anforderungen als im regulären Arbeitsverhältnis. Dennoch gilt: Die Kündigung muss eindeutig, rechtlich plausibel und korrekt kommuniziert werden.

Rechtliche Grundlagen in der Schweiz: Der Rahmen im Obligationenrecht (OR)

In der Schweiz regelt das Obligationenrecht (OR) die grundlegenden Aspekte von Kündigungen, einschließlich der Probezeit. Die wichtigsten Grundzüge lauten, dass beiderseitig während der Probezeit das Arbeitsverhältnis in der Regel mit einer kurzen Kündigungsfrist beendet werden kann. Die konkrete Frist ist oft im Arbeitsvertrag oder einem anwendbaren Tarifvertrag festgelegt. Die gängigste Praxis ist eine Kündigungsfrist von sieben Tagen, sofern nichts anderes vereinbart wurde. Dennoch können Branchen, Unternehmen oder individuelle Verträge abweichende Fristen vorsehen.

Kündigungsfristen während der Probezeit

Die Kernregel lautet: In der Probezeit gilt eine kurze Kündigungsfrist. Häufig sind dies sieben Tage. Diese Frist kann in Arbeitsverträgen auch kürzer oder länger festgelegt werden, abhängig von der Vereinbarung zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Wichtig: Die Frist beginnt mit dem Zugang der Kündigung beim Vertragspartner und muss, sofern im Vertrag nicht anders geregelt, eingehalten werden. Im Praxisalltag bedeutet das: Eine fristgerechte Kündigung in der Probezeit erreicht den Empfänger rechtzeitig, auch dann, wenn der Empfänger kurzfristig abwesend ist.

Fristlose Kündigung aus wichtigem Grund

Neben der regulären Kündigung gibt es die fristlose Kündigung aus wichtigem Grund (“fristlose Kündigung” oder “Kündigung mit sofortiger Wirkung”). Diese ist zulässig, wenn dem kündigenden Teil ein schwerwiegender Verstoß des Gegenübers oder ein anderer gravierender Grund vorliegt, der eine Weiterführung des Arbeitsverhältnisses unzumutbar macht. Beispiele sind erhebliche Pflichtverletzungen, Diebstahl, grobe Ungehung von Arbeitsanweisungen oder eine Vertrauensverlust-Situation. In der Praxis wird eine fristlose Kündigung in der Probezeit sorgfältig geprüft und oft mit einer konkreten Begründung versehen.

Kündigung in der Probezeit – Unterschiede Arbeitgeber vs Arbeitnehmer

Die Gründe und die praktische Umsetzung unterscheiden sich je nachdem, wer kündigt. Für den Arbeitgeber ist die Probezeit eine Phase, in der er den Mitarbeitenden testen kann. Ebenso hat der Arbeitnehmer die Möglichkeit, die Tätigkeit zu bewerten. Die wichtigsten Unterschiede:

  • Arbeitgeber kündigt in der Probezeit: Häufiges Motiv ist eine unbefriedigende Arbeitsleistung, mangelnde Eignung für die ausgeschriebene Position oder eine Umstrukturierung des Teams.
  • Arbeitnehmer kündigt in der Probezeit: Häufige Gründe sind neue Jobmöglichkeiten, bessere Arbeitsbedingungen, oder persönliche Umstände, die einen Wechsel erfordern. Arbeitnehmern steht in der Regel ebenfalls eine kurze Kündigungsfrist zur Verfügung.

Unabhängig davon gilt: Eine Kündigung in der Probezeit muss sachlich begründet oder zumindest nachvollziehbar formuliert sein. Vermeiden Sie persönliche Angriffe oder diskriminierende Motive; stattdessen sollten Fakten, konkrete Gründe oder eine knappe Begründung genannt werden, damit beide Seiten Klarheit haben.

Vertragsklauseln, die Sie kennen

Viele Arbeitsverträge enthalten spezifische Regelungen zur Probezeit, die über das gesetzliche Minimalmaß hinausgehen. Beachten Sie deshalb besonders folgende Punkte:

  • Dauer der Probezeit: Übliche Laufzeiten reichen von 1 bis 3 Monaten. Manchmal verlängert sich diese Periode unter bestimmten Bedingungen (z. B. längere Einarbeitungszeit, Umstrukturierungen).
  • Kündigungsfristen während der Probezeit: Oft sieben Tage, alternativ eine im Vertrag festgelegte Frist. Beachten Sie eventuelle Unterschiede für Arbeitnehmer vs. Arbeitgeber.
  • Schriftform/Nachweis: Auch wenn die Kündigung in der Probezeit rechtlich oft formfrei zulässig ist, empfiehlt sich eine schriftliche Kündigung mit Datum und Unterschrift, um Missverständnisse zu vermeiden.
  • Beendigung von Resturlaub und Boni: Verträge oder Betriebsvereinbarungen können regeln, wie mit offenen Urlaubsansprüchen oder Bonuszahlungen verfahren wird, wenn das Arbeitsverhältnis während der Probezeit endet.

Welche Gründe gelten? Ist Kündigung aus persönlichen Gründen erlaubt?

In der Praxis kann die Kündigung in der Probezeit aus vielen Gründen erfolgen. Grundsätzlich gilt: Kündigungen müssen sachlich begründet oder nachvollziehbar sein. Persönliche Gründe wie mangelnde Eignung, mangelnde Leistung, Fehlverhalten oder organisatorische Gründe können valid sein, solange sie rechtlich zulässig sind. Es ist ratsam, konkrete Beispiele oder Beobachtungen zu benennen, statt vager Formulierungen zu verwenden. Beachten Sie, dass gesetzliche Schutzregeln gegen Diskriminierung oder Ungleichbehandlung auch während der Probezeit gelten. Kündigungen aufgrund diskriminierender Merkmale sind unzulässig und können rechtliche Konsequenzen haben.

Schritte-für-Schritt: Was tun, wenn Sie kündigen oder gekündigt werden?

Wenn Sie kündigen: Ablauf und Tipps

Sie planen, während der Probezeit zu kündigen? Hier sind die wichtigsten Schritte:

  • Prüfen Sie die vertraglich vereinbarte Kündigungsfrist in der Probezeit. Halten Sie sich strikt daran, um rechtliche Auseinandersetzungen zu vermeiden.
  • Erstellen Sie ein kurzes, sachliches Kündigungsschreiben mit Datum und Unterschrift. Geben Sie optional einen kurzen Grund an, wenn dies üblich ist.
  • Geben Sie das Schreiben persönlich ab oder senden Sie es per Einschreiben, damit der Zugang dokumentiert ist.
  • Regeln Sie die Rückgabe von Firmeneigentum (Schlüssel, Ausrüstung, Dokumente) und klären Sie offene Ansprüche – wie Resturlaub oder Spesen.

Wenn Sie gekündigt werden: Checkliste

Kündigung durch den Arbeitgeber in der Probezeit erfordert Aufmerksamkeit. Nutzen Sie folgende Schritte, um sich rechtzeitig abzugrenzen und Ihre nächsten Schritte zu planen:

  • Prüfen Sie die Kündigungsfrist, die im Vertrag steht. Notieren Sie das Datum des Zugangs der Kündigung.
  • Fordern Sie schriftlich eine Bestätigung des Kündigungstermins an, sofern keine klare Frist genannt ist.
  • Fragen Sie nach dem letzten Arbeitstag, Abstellung von Arbeitsmitteln, und dem Umgang mit Resturlaub oder offenen Spesen.
  • Nutzen Sie die Möglichkeit, ein qualifiziertes Arbeitszeugnis einzufordern, das Ihre Leistungen fair widerspiegelt.

Besonderheiten und Ausnahmen

Schutzbestimmungen bei Mutterschaft, Behinderung und Diskriminierung

Auch während der Probezeit gelten grundlegende Schutzbestimmungen. Frauen dürfen nicht aufgrund einer Mutterschaft oder einer Schwangerschaft benachteiligt oder entlassen werden, soweit gesetzlich geschützt. Ebenso ist Diskriminierung aus Gründen von Behinderung, Rasse, Religion, Geschlecht oder sexueller Orientierung zu vermeiden. In der Praxis bedeutet das: Wenn Sie das Gefühl haben, dass eine Kündigung gegen den Schutzstatus verstößt, ziehen Sie rechtliche Beratung hinzu oder wenden Sie sich an eine kantonale Arbeitsrechtsstelle.

Mustertexte und Formulierungen

Musterkündigung durch den Arbeitgeber während der Probezeit

Kündigung in der Probezeit

[Ort], [Datum]

[Name des Mitarbeiters]
[Adresse des Mitarbeiters]

Sehr geehrte/r Frau/Herr [Name],

hiermit kündigen wir das Arbeitsverhältnis, datiert vom [Startdatum], ordentlich und fristgerecht in der Probezeit zum [Kündigungsdatum] gemäß der vertraglich vereinbarten Probezeitregelung.

Grundsätzlich gilt: Die Zusammenarbeit hat sich bisher als nicht optimal erwiesen. Wir wünschen Ihnen für Ihre berufliche Zukunft alles Gute.

Mit freundlichen Grüßen

[Unterschrift]
[Name, Position]

Musterkündigung durch den Arbeitnehmer während der Probezeit

Kündigung in der Probezeit

[Ort], [Datum]

[Name des Mitarbeiters]
[Adresse des Mitarbeiters]

Sehr geehrte/r Frau/Herr [Name],

hiermit kündige ich das zwischen uns bestehende Arbeitsverhältnis ordentlich und fristgerecht in der Probezeit zum [Kündigungsdatum].

Ich danke Ihnen für die Zusammenarbeit und bitte um eine Bestätigung des Erhalts dieser Kündigung sowie um das ausstehende Arbeitszeugnis.

Mit freundlichen Grüßen

[Unterschrift]
[Name]

Häufige Fehler vermeiden

Damit die Kündigung in der Probezeit fehlerfrei verläuft, beachten Sie folgende Fallstricke:

  • Vertrauen Sie nicht auf mündliche Absprachen. Halten Sie Fristen schriftlich fest.
  • Verzichten Sie nicht auf eine klare Beendigung des Arbeitsverhältnisses; Missverständnisse entstehen leicht, wenn das Enddatum nicht eindeutig ist.
  • Klären Sie offene Ansprüche wie Resturlaub, Spesen oder Boni rechtzeitig, um Komplikationen zu vermeiden.
  • Berücksichtigen Sie arbeitsrechtliche Schutzbestimmungen – insbesondere bei potenziell diskriminierenden Motiven.

FAQ zur Kündigung in der Probezeit

Nachfolgend finden Sie häufig gestellte Fragen rund um die Kündigung in der Probezeit. Die Antworten dienen der Orientierung, ersetzen aber keine individuelle Rechtsberatung.

  • Gilt während der Probezeit eine besondere Kündigungsfrist? Ja, oft sieben Tage, sofern der Vertrag nichts Abweichendes regelt. Prüfen Sie Ihren Arbeitsvertrag.
  • Kann eine Kündigung während der Probezeit fristlos erfolgen? Ja, bei einem wichtigen Grund. Dann entfällt die Frist ganz, und das Arbeitsverhältnis endet sofort.
  • Bin ich verpflichtet, ein Zeugnis zu verlangen? Nein, aber ein qualifiziertes Arbeitszeugnis wird oft gewährt. Fordern Sie es ggf. schriftlich an.
  • Was passiert mit Resturlaub? Offener Urlaub wird in der Regel abgegolten oder ausgezahlt, je nach Vereinbarung im Vertrag und regionaler Praxis.
  • Was, wenn der Arbeitgeber die Kündigung missbräuchlich ausspricht? In solchen Fällen können rechtliche Schritte erwogen werden; rechtliche Beratung ist sinnvoll.

Fazit: Klarheit schaffen von Anfang an

Die Kündigung in der Probezeit ist ein sensibles, aber normaler Bestandteil des Arbeitslebens. Mit der richtigen Vorbereitung – Kenntnis der vertraglichen Fristen, sauberer Kommunikation, sowie klarem Umgang mit Resturlaub und Arbeitszeugnissen – lässt sich eine Probezeit sowohl für Arbeitnehmer als auch für Arbeitgeber fair und rechtssicher gestalten. Nutzen Sie diese Orientierung, um Missverständnisse zu vermeiden, rechtliche Fallstricke zu umgehen und die nächsten Schritte gezielt zu planen.

Zusammenfassung der wichtigsten Punkte

  • wird durch verkürzte Kündigungsfristen erleichtert, oft sieben Tage, sofern der Vertrag nichts Abweichendes regelt.
  • ist bei einem wichtigen Grund möglich; die Begründung sollte dokumentiert werden.
  • zu Dauer der Probezeit, Schriftform und Abgeltung offener Ansprüche haben Vorrang vor allgemeinen Regeln.
  • gelten auch während der Probezeit, insbesondere gegen Diskriminierung und unfaire Behandlung.
  • helfen, klare, sachliche Kündigungen zu formulieren und Missverständnisse zu vermeiden.